Wer mich bei einer Krebserkrankung so unterstützt, dass ich die für mich richtigen Entscheidungen treffen kann

von | Apr 4, 2019 | Krankheit annehmen | 0 Kommentare

„Es ist Brustkrebs, Frau Zinnel.“ Ich erinnere mich sehr gut an diesen Moment, in dem mein behandelnder Arzt diesen Satz ausgesprochen hat. Was danach kam, weiß ich nicht mehr: Ich bin damals wie betäubt nach Hause gefahren.

In meinem Zuhause ist mir in den folgenden Tagen sehr schnell bewusst geworden, dass ich zeitnah Entscheidungen treffen muss was die Art der Therapie anbelangt.
„Operation, Bestrahlung, Chemotherapie, und/oder…?“

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Oh Wunder, wie der Krebs mein Leben verwandelt hat

Auch musste ich mich als Besitzerin meines Geschäftes Candela, Geschäft für Inneneinrichtung, Galerie und Café organisieren. Sehen, wie alles weiterlaufen könnte. Wer kann mich da unterstützen, vertreten, oder welche Lösung gibt es sonst? Wer kann mir nach der Op meinen Wasserkasten tragen? Wer begleitet mich zum Arzt oder fährt mich in die Klinik? Die ganz praktischen Dinge eben.

Und wem erzähle ich überhaupt von meinem Krebs? Das Dumme am Krebs ist, das man ihn, im Vergleich zu einem Gipsbein, von außen nicht sieht.

 Das fühlte sich nach einer recht anstrengenden Expedition an, bei der ich ganz unterschiedliche Leute mit ins Boot holen musste.
Allein konnte ich das nicht schaffen, ich wollte und musste andere Menschen einbeziehen um mich auf meine Heilung konzentrieren zu können. Und der erste Schritt meiner gewünschten Heilung war, mich für eine Therapie zu entscheiden.
 Als Gesunder kosten Entscheidungen schon viel Kraft, aber als Krebspatient, wo von einem auf dem anderen Moment quasi alle Lebenspläne zerbrechen, erscheint das nur sehr schwer möglich.
Das schafft man nicht allein, da braucht man ein richtig gutes Team von Menschen, das einem viel, viel abnimmt.
Zwar nicht die Entscheidung selbst, aber dafür sorgt, dass man mit guter Energie die richtigen Entscheidungen trifft.

Wer gehört in mein „Expeditions-Team Heilung“?

Als selbstständige Geschäftsfrau und auch heute als Coach hilft es mir sehr, Dinge aufzuschreiben. Das ist nützlich um den Kopf aufzuräumen. Ganz unter uns, vom ersten Moment der Diagnose bis zum Ende der Therapie wirbeln einem ohnehin tausend Dinge durch den Kopf, da ist dort eine gewisse Ordnung oder Planung wirklich hilfreich.
In manch stillen Momenten sah ich mich damals schon als Engel über Mallorca fliegen, natürlich dann mit einem Glas Cava in der Hand…( für die, die mich kennen).

Daher habe ich mir zunächst eine Liste gemacht, wer auf jeden Fall zu meinem „Expeditionsteam Heilung“ gehören sollte und den Kreis nach und nach vergrößert.

 

Arzt


Bei der Wahl meines Arztes ist mir sehr wichtig gewesen, dass ich ihn bereits kannte, sonst hätte ich mich auf Empfehlungen aus meinem Netzwerk verlassen. Und das ich einen fachlich und menschlich versierten Ansprechpartner habe, der mir die gesamte Therapie gut erklären kann und mich dadurch begleitet.

 

Heilpraktiker/ Alternativmediziner


Da mein Arzt, auch der dann hinzukommende Onkologe, sehr schulmedizinisch eingestellt war/en, war mir das Hinzuziehen einer Heilpraktikerin sehr hilfreich. Die zeigte mir Alternativen zur Schulmedizin auf, auch wie und wodurch ich mich selbst stärken konnte.

 

Freund/Freundin


„Wen würde ich nachts um drei Uhr anrufen?“ habe ich mich gefragt und mich überwiegend auf zwei beste Freundinnen beschränkt.

Familie/Partner

Da ich allein lebe, kam hier niemand in Frage.

Berater/Coach

Aus heutiger Sicht hätte es mich sehr entlastet, da jemand neutralen, jedoch mit nachvollziehbarer Erfahrung, an meiner Seite gehabt zu haben. Der oder die mich unabhängig von der medizinischen Sicht wirklich nach meinem inneren Bild gefragt hätte. Viel Mühe nach dieser Suche, auch die Recherche nach medizinischen Alternativen, hätte ich sparen können und anfangs schon diese Energie in meinen Weg der Heilung investieren können. Ich denke diese Erfahrung muss nicht jeder selber machen, da ist in professionelle Hilfe sehr gut investiert.

Vertretung/beruflich

In meinem Fall gab es Freunde, die mich kurzfristig unterstützt haben. Als Selbstständige mit geschäftlichem Alleinstellungsmerkmal ist eine Vertretung kaum kurzfristig zu organisieren. Ein Umstand, den ich zukünftig besser beachten werde.

Nachbarn/Bekannte

Das weitere Umfeld habe ich im zweiten Schritt um Hilfe gebeten.

Surprise

So wie auf einer spannenden Expedition begegnen einem auch auf dieser Reise wunderbare Menschen, die spontan auf ihre Weise helfen.
 Vorausgesetzt, man hält die Augen offen und erzählt anderen von seiner Erkrankung.

Wie wähle ich mein Team aus?

Sympathie ist das wichtigste Kriterium für mich; also Menschen in meiner Umgebung, die bei mir für wohlige Bauchgefühle sorgen. Gute Bauchgefühle wiederum steigern meine Lebenskraft und -freude. Mit guter Laune treffe ich bessere Entscheidungen als mit einem Knoten im Bauch.

Mein Arzt- und Therapeutenteam muss nicht nur fachlich, sondern auch menschlich versiert sein. Wenn Sie noch auf der Suche nach dem richtigen Arzt sind, schauen Sie daher nicht nur auf die Vita, sondern fragen Sie nach persönlichen Empfehlungen aus ihrem Umfeld. Auch das Internet ist eine Möglichkeit bei der Arzt-Recherche. Dabei ist ein persönliches Kennenlernen absolut empfehlenswert.

Nach praktischen Gesichtspunkten.
Wer krempelt die Ärmel hoch und packt mit an? Ob ein paar Stunden aushilfsweise in ihrem Geschäft – sofern Sie selbstständig sind, oder Einkäufe übernehmen, die Kinder und die Haustiere versorgen, auch das Fahren zu den Arztterminen gehört dazu. Das spart Ihre Energie für die anstehenden Entscheidungen. Nach emphatischen Gesichtspunkten. 
Welche Menschen fühlen sich gut bei Ihnen ein und stärken Sie dabei? 
Mitgefühl, nicht Mitleid, ist für Ihr Wohlbefinden von unschätzbarem Wert. Ob die Freundin oder der Nachbar, wer sich ohne großes „Tam Tam“ in sie einfühlen kann, ist ein Geschenk. Wen Sie allerdings an dieser Stelle überhaupt nicht brauchen, sind Besserwisser und absolute Negativ-Seher, die Sie mit allen möglichen Aussagen und Statistiken versorgen. Natürlich auch mit allem was überhaupt schiefgehen kann, die mal „gehört“ und „gelesen“ haben und „wissen“. Meiden Sie diese Personen. Das schont Ihre Nerven!

Was genau erwarte ich von diesen Menschen?

Sie erhalten die beste Unterstützung oder Hilfestellung, wenn Sie ihre Bedürfnisse klar äußern. Auch wenn Sie Krebs haben, dürfen Sie nicht erwarten, dass Ihr Umfeld Ihre Gedanken lesen kann. Gehen Sie sogar davon aus, dass Ihre Mitmenschen zum Teil verunsichert sind und Sie wie ein rohes Ei behandeln wollen.

„Was brauche ich jetzt wirklich? Was tut mir gut?“ Das sind die Fragen, die Sie sich stellen dürfen. Mir hat bei meiner Krebserkrankung Tagebuch schreiben sehr geholfen, weil ich dort meine Bedürfnisse und die damit verbundenen Gefühle in unterschiedlichen Situationen festgehalten habe.
Bei wichtigen Therapiegesprächen mit meinem Arzt oder dann auch beim Onkologen hat mich immer eine besonnene Freundin begleitet, die einerseits das Gespräch mitverfolgt hat, anderseits auch meine Hand zwischendurch mal kurz gedrückt hat.

Jeder Krebspatient reagiert natürlich in jeder Phase der Therapie unterschiedlich. Da reicht die Bandbreite von dem Wunsch nach Aufmunterung, Distanz, Nähe bis zu gemeinsamen Unternehmungen.

Je besser Sie in Worte fassen können, was Sie erwarten oder brauchen, desto eher können die anderen Ihnen antworten oder genau das geben.
Sie wissen dann nicht nur, woran Sie sind, sondern können ab dem Zeitpunkt einen Teil ihrer Last in andere Hände geben.

Von Ihren Ärzten/Therapeuten dürfen Sie erwarten, das sie gut erklären können. Wie lautet die genaue Diagnose und was bedeutet das für Ihr Leben? Welche Therapien sowie Alternativen schlagen Ihnen die Ärzte vor und welcher Zeitplan ist dafür dann vorgesehen?
Das ist jetzt eine grobe Übersicht, bei der sicherlich noch sehr viele Fragen auftauchen werden. Denn Sie sind so einzigartig wie Ihr momentaner Zustand es ist. Das sollte sich auch in den Gesprächen widerspiegeln, da zählen nur Sie.

Statistiken sind da lediglich ein Anhaltspunkt.

Doch wenn es so gar nicht klappt zwischen Ihnen und Ihrem Theraputen, dann trauen Sie sich einen Wechsel in Erwägung zu ziehen.
Der ist nicht nur legitim, sondern es ist absolut entscheidend, das Sie sich gut aufgehoben fühlen.

Heilpraktiker/Alternativmediziner, wenn Sie ohnehin mehr zur Alternativmedizin neigen, können Sie hier die für Sie wichtigen Informationen bekommen. Entweder um sich gegebenenfalls ganz für diesen Weg zu entscheiden, oder auch als Ergänzung zur Schulmedizin.

Die Familie und Freunde sind vermutlich die Menschen, die Ihnen am nächsten stehen. Und die durch diese Situation genauso betroffen sind wie Sie.
Da wird es auf beiden Seiten Verständnis brauchen. Reden Sie, erzählen Sie von sich, da wo Sie sich angenommen fühlen. Wenn Ihnen jemand einfach nur zuhört, kann das soviel Schönes hervorbringen. Es braucht manchmal so wenig, gar nicht die eine große Aktion.
Wünschen Sie sich Nähe? Sagen Sie das bitte. Die Freundin, die Sie einfach mal in den Arm nimmt, Ihnen Mut zuspricht, Sie motiviert, wenn die Nerven gerade blank liegen. Bei der Sie weinen können, wenn Ihnen danach zumute ist. Vielleicht kennen Sie das gar nicht von sich, seien Sie nicht überrascht, wenn Sie ganz neue Seiten an sich entdecken.
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, das es so ist und gerade deshalb ist so wichtig, das auch kundzutun. So kann sich ganz Neues entwickeln, auf allen Seiten.

Mir persönlich hat es sehr gut getan, sehr offen mit meiner Krebserkrankung umzugehen; also nicht nur die engsten Freunde, sondern auch Kunden und Lieferanten habe ich eingeweiht. Ich stand damals ziemlich in der Öffentlichkeit und so musste niemand hinter meinem Rücken tuscheln. Ich konnte mich zeigen mit dem was in mir vorging. Und niemand hat sich wegen diesem beängstigenden Krebs von mir abgewandt. Das ist für mich die schönste Erfahrung gewesen. Doch diese Unterstützung hat auch ihre Grenzen: wenn ich erwarte, dass mir jemand die Entscheidung in der Therapiefrage abnimmt. Leider habe ich das in meinem Umfeld erlebt und auch die Last, die der andere damit dauerhaft auf sich nimmt.

Das empfinde ich als falsch verstandene Hilfe, beziehungsweise als übergriffig.

Wenn ich darum bitte, das mein Gegenüber mir spiegelt, was er/sie bei mir wahrnimmt, dann ist das eine sehr große Hilfe.
Doch das ist schon ziemlich großes Kino, was ich eventuell da von meinen Mitmenschen erwarte. Diese Art der Gesprächsführung können eher professionelle Coaches oder Therapeuten leisten.

Wie treffe ich final eine Entscheidung?

Wenn Ihnen alle Faktoren bekannt sind, Ihr aktueller Status, die diversen Behandlungsmöglichkeiten und die möglichen Risiken, dann ist es Zeit Ihre Entscheidung für eine Therapie treffen.
Das Ihnen dabei vermutlich schwummerig sein kann, ist mehr als verständlich.

Wer entscheidet dann und wie? Sie, das heißt Ihr Verstand und Ihre Intuition.
Eine Mischung aus beidem ist das Beste, dass Sie wählen können.
Der „beste“ Behandlungsplan auf dem Papier nützt nichts, wenn sich Ihr Inneres sträubt, und Ihr Bauchgefühl ist meiner Meinung nach ein guter Ratgeber.

Erbitten Sie sich notfalls eine Bedenkzeit; auch wenn es nur eine Stunde ist.

„Wie bekommen Sie jetzt am besten den Druck aus Kopf und Körper heraus?“
Mit ein paar Atemübungen, mit einem Spaziergang im Park oder dort vielleicht auch mit einem lautem Schrei. Tun Sie das, was Ihnen hilft.
Nach der vereinbarten Zeit teilen Sie dem Arzt ihre Entscheidung mit. Auch wenn Ihnen das sehr schwer erscheint, eine Entscheidung wird Sie erleichtern.

Mir hat in dieser Situation geholfen, dass ich genau wusste was ich auf keinen Fall wollte. Auch, das ich nicht alle Schritte der Behandlung sofort entscheiden musste, sondern prozessbegleitend, den Ergebnissen und Aktualität entsprechend.

Wer kann Ihnen dabei wie helfen? Menschen die an Sie glauben, die Ihnen moralisch den Rücken stärken, egal wie Ihre Entscheidung auch ausfällt. Nehmen Sie sich dazu Ihre Liste, die Sie ganz am Anfang geschrieben haben.

Mir haben all diejenigen geholfen, die an mich geglaubt haben, auch daran, das mein Inneres den Weg kennt.

Und ganz praktisch Freund(e)innen, die da waren, mich in den Arm genommen haben, mir Wege abgenommen haben, meinen damaligen Laden tageweise für mich geöffnet haben und vieles mehr.

So waren Entscheidungen für mich zwar nicht leicht, jedoch, so getragen, machbar.

Wie es weiterging

Meine Entscheidungen damals waren überwiegend unkonventionell, weil nicht klassisch schulmedizinisch.

Heute geht es mir sehr gut, ich empfinde mich als geheilt und habe freudig neue Wege eingeschlagen.

Das Geschäft von damals habe ich vor knapp 4 Jahren nach über 20 Jahren geschlossen und bin mittlerweile beratend als Coach tätig. Spezialisiert auf herausfordernde Umbruchsituationen, die eine tiefgreifende, sehr persönliche Unterstützung wünschenswert machen.